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Meldung

Unser gemeinsamer Auftrag

Ein Wort der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland an ihre Mitglieds- und Gastkirchen und alle, die sich der Mission und Evangelisation verpflichtet wissen

Christus spricht: "Ich bin das Licht der Welt" (Joh 8,12).

In ihm und seinem Wort, seinem Wesen und seinem Weg begegnet Gott den Menschen. Es ist das Licht seiner Liebe, das die Kälte und das Dunkel von Schuld und Tod durchdringt und Leben schenkt.

Wo Menschen dieses Licht in ihr Leben einlassen, bleibt es nicht ohne Wirkung: "Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!" sagt Jesus zu seinen Jüngern (Mt 5,13f). Menschen, die in Verbindung mit Jesus Christus leben, strahlen aus, was Christus in ihr Leben legt. Die Würze des Lebens und die Wärme des Lichts, die er schenkt, können nicht verborgen bleiben. Wo Gottes Liebe das Leben von Menschen berührt, wirkt sie weiter durch das, was sie tun, was sie sagen und was sie sind.

Den christlichen Kirchen ist diese Wirklichkeit und die Verpflichtung, die in ihr liegt, nicht immer bewusst gewesen. Nicht selten wurde sie von der Beschäftigung mit sich selbst verdeckt. Hier hat ein tiefer Bewusstseinswandel eingesetzt. Im erneuten Fragen nach ihrem Auftrag haben alle Kirchen erkannt: Wir sind die Botschaft von Christus allen Menschen schuldig. Unsere Verkündigung muss gerade die ins Auge fassen, die ihr fern stehen. Unser diakonisches Handeln kann Menschen helfen, Gottes Liebe in ihrem Leben praktisch zu erfahren. Und wir dürfen unsere Gottesdienste in der Erwartung feiern, dass auch Außenstehende in ihnen erleben: Gott ist gegenwärtig.

Wenn es also um das eine Evangelium für alle Menschen geht, wird das in der Gemeinsamkeit unserer Mission seinen Ausdruck finden müssen. Und umgekehrt: die Einheit der Kirche ist nicht Selbstzweck, sondern hat - wie Jesu Gebet um die Einheit zeigt - ein Ziel: "... damit die Welt glaube!" (Joh 17,21).

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hat deshalb in den letzten drei Jahren einen Konsultationsprozess zur Verständigung über die gemeinsame Aufgabe von Mission und Evangelisation in Deutschland durchgeführt. Auf unterschiedlichen Ebenen haben dazu Gespräche stattgefunden. In einzelnen Mitgliedskirchen der ACK sind eine Reihe hilfreicher Texte zum Thema erarbeitet worden. Dabei ist deutlich geworden: der Aufbruch zu einer missionarischen Ökumene ist nötig und mehr Gemeinsamkeit in unserem missionarischen Tun ist möglich.

Wir feiern die Gegenwart Gottes unter uns auf verschiedene Weise und formulieren wichtige Glaubenswahrheiten unterschiedlich. Das bedeutet bereichernde Vielfalt, aber auch schmerzliche Trennung. Aber wir sind eins in dem Glauben, dass der dreieinige Gott für alle Menschen Heil und Leben will, und wir sind uns einig in der Überzeugung, dass unser Leben als Kirchen und als Einzelne ein Gefäß sein soll, in dem Gott das Leben und die Liebe, die er schenkt, weiterreichen möchte. Die Charta Oecumenica stellt fest: "Die wichtigste Aufgabe der Kirchen in Europa ist es, gemeinsam das Evangelium durch Wort und Tat für das Heil aller Menschen zu verkündigen."

Als ACK wenden wir uns daher an unsere Mitglieds- und Gastkirchen und an alle, die sich der Mission und Evangelisation verpflichtet wissen, mit der dringenden Bitte, alles, was wir missionarisch tun, unter dem Aspekt unseres gemeinsamen Auftrags zu gestalten, und zugleich alle Bemühungen um größere Einheit in der Perspektive unseres Rufs zur Mission anzugehen. Weil wir den einen Gott verkündigen und dem einen Herrn folgen, darum haben wir eine gemeinsame Botschaft und ein gemeinsames Ziel unserer Mission.

Das wird auch in der praktischen Arbeit zu größerer Gemeinsamkeit führen: Wo wir unterschiedliche Akzente setzen, können wir voneinander lernen, und wo wir methodisch verschiedene Wege gehen, können wir einander respektieren und im Gebet füreinander eintreten. Das Wissen um eine letzte Gemeinsamkeit hilft uns, in ökumenischem Vertrauen frei von der Angst um die eigene Existenz zu werden. Wir wetteifern im Guten, ohne einem Konkurrenzdenken zu verfallen. Nur so werden wir die grenzüberschreitende Kraft des Evangeliums neu erfahren, das auch Menschen erreichen kann und will, die in Distanz zur Kirche leben.

Das Jahr 2003 wird einige herausragende Möglichkeiten zum gemeinsamen Handeln bieten: das Jahr der Bibel, der Ökumenische Kirchentag in Berlin und ProChrist 2003 sind Gelegenheiten, Menschen die gute Botschaft von Jesus Christus neu nahe zu bringen.

Aber es sind nicht nur die Großereignisse, die hier helfen. Aktionen wie "neu anfangen" oder Ökumenische Kirchentage und Pilgerwege sind Möglichkeiten, auch auf Gemeindeebene gemeinsam zu arbeiten. Wir sind dankbar für viele mutmachende Erfahrungen, die wir schon gemacht haben; aber Spielraum und Chance für gelebte missionarische Ökumene vor Ort sind viel größer als bisher verwirklicht wird.

Gemeinsam suchen wir den Kontakt zu den Menschen in unserer Gesellschaft, für die Gott und Kirche keine Bedeutung mehr haben, und laden sie ein, der Wirklichkeit der Liebe Gottes in ihrem Leben Raum zu geben. Gemeinsam fragen wir mit Jungen und Alten, was unser Leben trägt, und wie wir aus den Quellen des Glaubens ein Leben in Humanität und Würde, befreit von Angst, Hass und Gewalt gestalten können. Gemeinsam sprechen wir mit Menschen anderer Kulturen darüber, was Inhalt ihres Glaubens und Lebens ist und lassen sie an dem teilhaben, was Jesus Christus als Gottes Heil für uns bedeutet.

In all dem vertrauen wir auf Gott und seine Zusage: "Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben" (Mt 5,14). Das gilt auch, wenn es den Anschein hat, immer Weniger würden das Licht der Liebe Gottes wahrnehmen. Gottes Weg zu den Menschen, der mit der Schöpfung begann, der im Weg Jesu in die letzte Tiefe menschlicher Not führte und mit seiner Auferstehung das Tor zum Leben und zu Gottes Herrlichkeit aufstieß, dieser Weg weist auch uns den Weg. Gottes Ja zu den Menschen wird unser Ja zu unseren Mitmenschen; sein Nein zu allem, was von ihm und wahrem Leben trennt, ist auch unser Nein. Gottes Mission ist auch unsere Mission. Darum kann es nur gemeinsame Mission sein.

Magdeburg, den 13. März 2002

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