Brexit als Herausforderung für die Kirchen - Generalsekretärinnen und Generalsekretäre der nationalen Kirchenräte Europas trafen sich in Wales

Die Generalsekretärinnen und Generalsekretäre bekamen vom walisischen Jugendverband „Urdd“ eine Friedensbotschaft überreicht.

Die Generalsekretärinnen und Generalsekretäre bekamen vom walisischen Jugendverband „Urdd“ eine Friedensbotschaft überreicht.

(20.06.2017) Vom 5. bis 8. Juni kamen in Cardiff die Generalsekretäre der nationalen Kirchenräte Europas zu ihrem jährlichen Treffen zusammen. Diese Treffen finden immer an wechselnden Orten statt. Die Wahl des Ortes spiegelt sich meist im Programm wider, so auch dieses Mal: Auf der Tagesordnung standen zum einen der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Information, zum anderen das Kennenlernen der politischen und gesellschaftlichen Situation in Wales. Das kleine Land ist Teil des Vereinigten Königreiches, aber seine ca. 3 Mio. Einwohner verstehen sich als eigene Nation, die eine eigene Sprache spricht und als Minderheit in einem Land mit rund 60 Mio. Einwohnern dennoch ein gewisses Maß an politischer Eigenständigkeit erringen konnte. 

Als nationaler Kirchenrat fungiert in Wales Churches Together in Wales (Cytûn), das in Zusammenarbeit mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) zu dem Treffen eingeladen hatte. Die Generalsekretärinnen und Generalsekretäre trafen mit der Mitgliederversammlung von Cytûn zusammen, zu der Repräsentantinnen und Repräsentanten von Mitgliedskirchen und von verschiedenen ökumenischen Organisationen gehören. Auf dem Programm stand außerdem ein Gespräch mit dem Regierungschef („First Minister“) von Wales, in dem es vor allem darum ging, welche Folgen der Brexit für Europa, aber auch für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreiches selbst haben wird. Das Gespräch führte vor Augen, wie komplex das Gefüge internationaler und innernationaler Beziehungen ist und wie sehr die Länder Europas auf Zusammenhalt und Kooperation angewiesen sind, wenn sie Gerechtigkeit und Frieden wahren wollen. Auf dem Hintergrund der weltweiten Flüchtlingskrise besuchten die Teilnehmer die Hilfsorganisation „Displaced People in Action“, die in Cardiff ihren Sitz hat. Hier wurde beispielhaft deutlich, wie man sich in Wales für Flüchtlinge einsetzt, und zwar sowohl auf der politischen Ebene als auch durch konkrete Hilfestellung für die Flüchtlinge, die nach Wales kommen.

Schließlich ermöglichte das Programm auch einen kurzen Blick auf Sehenswürdigkeiten Cardiffs. Es wurde das Parlamentsgebäude besichtigt, das direkt an der Meeresküste errichtet wurde, und auch das mitten in der Stadt gelegene Stadion, in dem wenige Tage zuvor das Endspiel der Champions League stattgefunden hatte. Warum das Stadion mit einem verschließbaren Dach ausgestattet wurde, brauchten die Gastgeber den Gästen nach mehreren Tagen stürmischen Wetters und unvermittelter Regengüsse nicht eigens zu erklären. 

An dem Treffen in Cardiff nahm auch eine Abordnung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) teil, darunter ihr Generalsekretär, Heikki Huttunen. Er informierte über die Arbeit der KEK, die derzeit im Zeichen der nächsten Vollversammlung steht, die vom 30. Juni bis 6. Juli 2018 in Novi Sad stattfinden wird. Gemeinsam wurde beraten, welchen Beitrag die nationalen Kirchenräte unter den Bedingungen der neuen Verfassung der KEK zur Arbeit der KEK und besonders zu deren Vollversammlung leisten können. 

Das nächste Treffen der Generalsekretärinnen und Generalsekretäre der nationalen Kirchenräte Europas wird auf Einladung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich voraussichtlich im Oktober 2018 in Wien stattfinden.