Studientag der ACK Hamburg: Migration und Mission im Spiegel des Neuen Testaments

Arbeitsgruppe Söding

Prof. Dr. Thomas Söding (Bildmitte) bei einer Arbeitsgruppe auf dem Studientag der ACK in Hamburg, Foto: ACK Hamburg

(14.09.2016) Flucht und Vertreibung sind auch im Neuen Testament ein brennend aktuelles Thema. Dies machte Professor Thomas Söding (Bochum), Vorsitzender des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses (DÖSTA), bei einem Studientag der ACK in Hamburg deutlich. Das Neue

Testament sei ein Dokument des Aufbruchs, denn der Programmauftrag der Kirche war die missionarische Offenheit. Und von Anfang erlebten die Christen Verfolgung und Vertreibung. „Viele der neutestamentlichen Schriften sind von Flüchtlingen geschrieben worden“, erläuterte Söding. So zum Beispiel Paulus, selbst zunächst ein brutaler Verfolger der Christen, erlebt als Apostel selbst Vertreibung, Ausgrenzung und Zurückweisung. „Er arbeitete dies aber so auf, dass er darin gerade seine Stärke erkannte“, sagte Söding in Erinnerung an 2 Kor 12,10.

In starken Worten und Bildern mache das Neue Testament die Probleme sichtbar, die entstehen, wenn Menschen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. „Nicht nur ihre Lebensgrundlagen, auch ihr Glaube an Gott wird fraglich“, so Söding. Aber das Neue Testament verdeutliche auch, dass in diesen Herausforderungen Chancen geboten, Horizonte erweitert, Beziehungen gestiftet und Einsichten in Gottes Geheimnis gewonnen werden könnten. Zum Beispiel verleihe die Johannesoffenbarung den Opfern religiös motivierter Gewalt eine Stimme und setze auf die radikale Überwindung der Ungerechtigkeit.

Die Auseinandersetzung mit dem Neuen Testament öffne die Augen für religiöse Krisen und Aufbrüche der Gegenwart, ist Söding überzeugt. „Die Flüchtlinge öffnen die Augen für diejenigen, die vor Ort ausgegrenzt sind und sie wecken die Sehnsucht nach einer Ferne, die nur Gott befriedigen kann“, sagte Söding. Das Neue Testament biete keine Patentrezepte, aber zusammen mit dem Alten Testament bilde es „das GPS-System, das die Kirchen heute navigieren kann“, so der DÖSTA-Vorsitzende.

Folien des Vortrags von Prof. Dr. Thomas Söding