Apostolische Bewegung Schwerpunktthema der ACK-Mitgliederversammlung

 

 

 

(28.03.2012) Die Geschichte der apostolischen Bewegung international und in Deutschland sowie die Frage nach ihrer „Ökumenewilligkeit“ und „Ökumenefähigkeit“ stand im Mittelpunkt eines Vortrages des Ökumenikprofessors em. Dr. Helmut Obst. Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland referierte der ehemalige Professor am Seminar für Ökumenik und Religionswissenschaft der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg in Köln. Religionsgeschichtlich habe die apostolische Bewegung ihre Wurzeln in anglikanischen, reformierten, lutherischen, aber auch römisch-katholischen Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts. Aufgrund von theologischen Fragen wie der Wiederkunft Christi und dem Prophetentum als auch von strukturellen Fragen im Hinblick auf das sog. Stammapostelamt kam es zu mehreren Spaltungen und Gruppierungen. Verbindendes Element aller Gruppierungen war jedoch weiterhin das erneuerte Apostelamt. „Das Verständnis des Apostelamtes und der ihm nachgeordneten Ämter prägt jeweils das eigene Kirchenverständnis und damit auch die Nähe oder Ferne zu anderen christlichen Kirchen, ja zur Ökumene“; so Prof. Obst.

Ein besonderer Schwerpunkt des Referats lag auf der Neuapostolischen Kirche. Nach seinen Angaben ist sie mit rund 11 Millionen Mitgliedern weltweit die größte apostolische Gemeinde. Der Professor für Konfessionskunde stellte die Entstehung der Neuapostolischen Kirche aus den deutschen katholisch-apostolischen Gemeinden nach 1863 vor bis zu den heutigen aktuellen Entwicklungen. Konstituierendes und zentrales Merkmal der Neuapostolischen Kirche innerhalb der apostolischen Bewegung war die Vorstellung der Naherwartung, also die Überzeugung vom Anbruch der Endzeit und dem baldigen Wiederkommen Jesu Christi.

Lehrgrundlage der Neuapostolischen Kirche sei die Bibel, die in Zweifelsfragen ausgelegt werde durch das Lehramt der Apostel und das kürzlich neu formulierte Glaubensbekenntnis, erläuterte der Ökumenikprofessor. Die Neuapostolische Kirche kenne drei Sakramente: die trinitarisch vollzogene Taufe mit Wasser, das Abendmahl und die Versiegelung durch Handauflegung eines Apostels als Mitteilung des Heiligen Geistes und Vollendung der Taufe.

Mit der Wahl von Richard Fehr 1988 zum neuen Stammapostel und seinem Amtsantritt begann die Öffnung der Neuapostolischen Kirche nach außen und ein Kurs vorsichtiger Reformen auch in Richtung Ökumene, ist Obst überzeugt. Diese Richtung sei von Dr. Wilhelm Leber, dem Nachfolger von Richard Fehr, fortgesetzt worden.

Obst forderte dazu auf, ältere Darstellungen über die Lehre der der Neuapostolischen Kirche zu korrigieren. Während bereits zwei apostolische Gemeinschaften in Deutschland – das Apostelamt Jesu Christi und die Apostolische Gemeinschaft – den Weg der Ökumene beschritten, hätte sich auch die Neuapostolische Kirche in den vergangenen Jahren auf den Weg gemacht. „Sie wurde ökumenewillig.“

Auch gegenüber den 360 Tausend Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche in Deutschland gebe es eine Verantwortung: „Viele wollen aus dem Ghetto heraus, andere fürchten sich noch, in die bunte Familie der Ökumene einzutreten“, beschrieb Obst die Stimmung.

Der Ökumenikprofessor ermutigte die Delegierten der Mitgliedskirchen der ACK, den Dialog mit der Neuapostolischen Kirche fortzusetzen und mit Augenmaß offen zu sein für neue Entwicklungen und die damit verbundenen notwendigen Entscheidungen.

Pastor Karl-Martin Unrath, freikirchlicher Referent in der Ökumenischen Centrale, berichtete gegenüber den Delegierten der Mitgliederversammlung, dass die Bundes-ACK weiterhin theologische Gespräche mit Vertretern der Neuapostolischen Kirche führe. Diese seien jedoch nicht als „Aufnahmegespräche“ zu verstehen.

Im Anschluss an den Vortrag stellte Priester Bernd Bornack (Halle/Saale) das Apostelamt Jesu Christi den anderen Mitgliedskirchen der ACK vor.