Zentraler Gottesdienst zur Gebetswoche und Ehrung von Metropolit Augoustinos

Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Metropolit Augoustinos, Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Archimandrit Emmanuel Sfiatkos bei der Preisverleihung, Foto: ACK

(24.01.2019). Zum gemeinsamen Zeugnis für die erlösende Botschaft des Evangeliums rief die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) im Gottesdienst anlässlich der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen am 24. Januar im Berliner Dom auf. Die Kirchen könnten wesentlich dazu beitragen, Spaltungen und Eigeninteressen zu überwinden. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde der orthodoxe Metropolit Augoustinos gemeinsam von der ACK und dem Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg (ÖRBB) für sein ökumenisches Lebenswerk geehrt. Die Laudatio hielt Bundespräsident a.D. Christian Wulff.   

„Wir alle spüren, dass wir an einem entscheidenden Wendepunkt der Geschichte stehen, bei dem es darauf ankommt, dass der gesellschaftliche Wandel nicht von denen gestaltet wird, die mit Angstmache oder Hetze ihre Macht ausbauen und das Land spalten wollen“, sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) in seiner Predigt über das Motto der diesjährigen Gebetswoche „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen“ (Dtn 16,20). Das Motto und die Texte zur Gebetswoche wurden in diesem Jahr von Christen aus Indonesien vorbereitet. Die Kirchen in Indonesien sähen in dem gemeinsamen Einsatz für die Gerechtigkeit eine wesentliche Grundlage für die Ökumene, erläuterte Wiesemann. Dieser Aufruf aus Indonesien sei auch für die Kirchen in Deutschland eine wichtige Wegweisung. „Es geht um eine Vision der Sendung der Kirche, die offenkundig die innerkirchlichen Grenzen weit überschreitet und fähig ist, gegeneinander gerichtete Unterschiedlichkeit durch tiefgehende Anteilnahme am Leben des anderen zu verwandeln“, sagte der Bischof. Die gemeinsame Sendung lasse sich weder national noch eigenkirchlich einengen. „Uns ist heute der Auftrag gegeben, unsere unverbrüchlich gegebene Einheit wieder sichtbarer werden zu lassen.“ Dabei könne man von den Kirchen in anderen Ländern viel lernen, die häufig unter schwierigen Verhältnissen mutig seien und der Gerechtigkeit ganz konkret vor Ort nachjagten. „Wir haben auch im Blick auf die zerrissene Einheit die Botschaft der Umkehr radikal ernst zu nehmen“, so Wiesemann. Denn die Botschaft des kommenden Christus und seine Vision einer größeren Gerechtigkeit im Reiche Gottes sei eine einmalige Vision, auf die sich die Kirchen gemeinsam mit aller Kraft ausrichten sollten.   

Gottesdienst mit dem ÖRBB vorbereitet – zahlreiche Vertreter der Berliner Kirchen feierten mit

Der Gottesdienst in Berlin wurde zusammen mit dem Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg gefeiert. Neben dem ACK-Bundesvorsitzenden Bischof Karl-Heinz Wiesemann und den Mitgliedern des Bundesvorstands wirkten u.a. der Vorsitzende des ÖRBB, Archimandrit Emmanuel Sfiatkos von der Orthodoxen Kirche, sowie Erzbischof Heiner Koch vom Bistum Berlin und Propst Christian Stäblein von der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz mit. Domkantor Tobias Brommann und der Chor Hl. Stefan Dečanski unter der Leitung von Ljiljana Surdilovic hatten den Gottesdienst musikalisch mitgestaltet.

Gebetswoche wird seit mehr als 100 Jahren begangen

Die seit mehr als 100 Jahren bestehende Gebetswoche wird weltweit vom 18.-25. Januar begangen. Jeweils ein Land erarbeitet die Texte, die dann von allen Kirchen genutzt werden, um für Einheit und Versöhnung der Christen zu beten. Für dieses Jahr haben Christen aus Indonesien die Texte erstellt. „Unsere Einheit in Christus ist es, durch die wir in die Lage versetzt werden, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen und ihren Opfern zur Seite zu stehen“, heißt es in dem Vorwort zu dem Gottesdienstablauf, der weltweit gefeiert wird. Die Kirchen seien dazu aufgerufen, „einmütig für die Gerechtigkeit Zeugnis abzulegen und Instrument der heilenden Gnade Christi für die gebrochene Welt zu sein“.

Ehrung von Metropolit Augoustinos für sein ökumenisches Lebenswerk

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde Metropolit Augoustinos von der ACK in Deutschland und dem ÖRBB ein Ehrenpreis für sein ökumenisches Lebenswerk verliehen. Die ACK und der ÖRBB dankten Augoustinos dafür, dass er „Großes für die Stärkung der Orthodoxen Kirche und die Gemeinschaft der Kirchen in unserem Land geleistet“ habe.

Bundespräsident a.D. Wulff würdigte Augoustinos als Integrator und Brückenbauer

Bundespräsident a.D. Christian Wulff würdigte in seiner Laudatio Augoustinos als „herausragenden Integrator und Brückenbauer“. Metropolit Augoustinos stammt aus Kreta und studierte in der heute durch die Türkei geschlossenen Ausbildungsstätte auf Chalki, anschließend in Salzburg, Münster und Berlin. 1964 wurde er durch den damaligen Ökumenischen Patriarchen Athenagoras zum Priester geweiht. 1972 wurde Augoustinos Vikarbischof der griechisch-orthodoxen Metropolie, 1980 wurde er zum Metropoliten in Deutschland ernannt. Er steht der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland vor und ist damit der höchste Repräsentant seiner Kirche in Deutschland.

Augoustinos sei ein vorbildlicher „Diplomat der Ökumene“, so Wulff. Sein Wirken habe immer auch eine politische Dimension gehabt. Als Pfarrer der orthodoxen Gemeinde in Berlin noch im geteilten Deutschland sowie im Kontakt mit den höchsten politischen Vertretern habe Augoustinos sich größte Verdienste um das deutsch-griechische Verhältnis nach den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs erworben. „Metropolit Augoustinos ist ein Brückenbauer zwischen unseren Ländern“, bedankte sich Wulff für seinen Einsatz. „Ihr Leben ist ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, sich beharrlich für Verständigung einzusetzen.“ Ihm sei es gelungen, den vielen Menschen, die aus Griechenland und anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, eine neue Heimat zu geben, ohne ihre religiöse Identität zu verlieren. Wulff würdigte insbesondere den Einsatz des Metropoliten für eine orthodoxe Ausbildungsstätte in München. „Andere Gruppen von Zugewanderten sollten von Ihren Erfahrungen lernen“, so Wulff. Augoustinos sei ein Integrator und Versöhner, dessen Respekt und Wertschätzung anderer Menschen, dessen Gastfreundschaft und Einfühlungsvermögen etwas „Ur-Christliches“ verkörperten, sagte der ehemalige Bundespräsident. Sein offenes und lebendiges Glaubenszeugnis habe ihm Anerkennung und Respekt verschafft. Durch das Wirken des Metropoliten werde deutlich, „dass Ökumene weit über den Zusammenhang der christlichen Konfessionen hinausgeht und auf das Zusammenwirken in unserer Gesellschaft auswirkt“. Wulff ermutigte daher dazu, den ökumenischen Dialog auch über gegensätzliche Positionen noch tiefer zu führen. In der heutigen Gesellschaft brauche es Menschen wie Augoustinos, „die mit Beharrlichkeit, Gelassenheit und Klugheit an der Einheit in Vielfalt arbeiten“.   

Patriarch Bartholomaios: Augoustinos stellt beispielhaft die ökumenische Dimension der Orthodoxie dar

Aus dem Ökumenischen Patriarchat hatte Patriarch Bartholomaios eine Grußbotschaft an die ACK gesandt, die zu der Ehrung vom stellvertretenden Vorsitzenden der ACK, Erzpriester Constantin Miron, verlesen wurde. Darin dankte Bartholomaios Metropolit Augoustinos für sein langjähriges segensreiches Wirken. Augoustinos habe erkannt, „dass die ökumenische Bewegung kreative Kräfte innerhalb der christlichen Welt freigesetzt hat, dass sie die Kraft und die Bedeutung des Evangeliums für den Frieden und die Versöhnung, für die soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Menschenwürde, für die Rückbesinnung der Menschen auf die zeitlosen und ewigen Dinge in einer Zeit des Wertewandels und vieler Konfusionen aufgezeigt hat“, schrieb der Patriarch. Der Metropolit besitze die Fähigkeit, die ökumenische Dimension der Orthodoxie und die lebensnotwendigen Werte ihrer Tradition darzustellen, die „einen Lebensentwurf von weltweiter Bedeutung bilden“. Augoustinos verbinde die orthodoxe Gesinnung und die Treue zur orthodoxen Tradition mit der Offenheit für die Kultur und mit dem Geist des Dialogs.

Augoustinos: In Ökumene investierte Zeit ist geschenkte Zeit

In seiner Dankesrede hob Metropolit Augoustinos die hohe Bedeutung der Ökumene für das Zusammenleben hervor. In der langen Zeit seines Dienstes habe er zuweilen auch selbst einen hohen Preis dafür gezahlt, wenn sein ökumenisches Engagement von kritischen Kreisen seiner Kirche heftig angefeindet wurde. Doch dieser Preis lohne sich: „Ökumene bedeutet das Aufgeben der behaglichen Nestwärme, um sich den rauen Wind der interkonfessionellen Realität um die Ohren wehen zu lassen. Und sie bedeutet ein Verlassen des Sockels, auf den wir uns so gerne als Kirchen und Kirchenvertreter stellen, um uns auf Augenhöhe einander zu begegnen“, sagte der Metropolit. Jede Zeit, die er in die Ökumene investiert habe, sei eine geschenkte Zeit gewesen. 

Predigt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann

Laudatio Bundespräsident a.D. Christian Wulff

Bilder von der Veranstaltung

Weitere Informationen zur Gebetswoche für die Einheit der Christen finden Sie unter www.gebetswoche.de.