Gemeinsames Wort der Kirchen in Sachsen zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit

(02.10.2020). Anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Einheit und der Neugründung des Freistaates Sachsen haben Landesbischof Tobias Bilz, Bischof Heinrich Timmerevers und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen, Gert Loose, eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

Die Grenze prägte jahrzehntelang das Leben in Deutschland und in Europa. Foto: EVLKS

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1, 7)

Mit dem „Tag der deutschen Einheit“ am 3. Oktober 2020 begehen wir den dreißigsten Jahrestag der Vollendung der deutschen Einheit. Ebenso erinnern wir uns daran, dass im gleichen Zuge der Freistaat Sachsen neu gegründet werden konnte.

Als Kirchen begehen wir diesen Tag mit großer Dankbarkeit. Wir sind uns dessen bleibend bewusst, dass die Ereignisse der „Friedlichen Revolution“ im Herbst 1989 und die Entwicklungen der darauf folgenden Monate ohne das gnädige Lenken Gottes und die Präsenz seines Geistes nicht denkbar sind. Es wurden gewiss nicht alle Chancen genutzt. Dennoch erfüllt uns tiefes Staunen darüber, dass uns und den Menschen in unserem Land dieser Neubeginn geschenkt wurde.

Zugleich verneigen wir uns vor denen, die sich mutig und besonnen für eine andere Gesellschaft eingesetzt haben. Mitunter haben sie sich selbst in große Gefahr gebracht. Sie haben für Ideale gestanden, die größer waren als ihr persönliches Schicksal: Freiheit und Demokratie, Menschenwürde und Gerechtigkeit. Viele von ihnen haben das politische und gesellschaftliche Leben der folgenden Jahrzehnte mitgestaltet. Andere sind in den Hintergrund getreten. Zusammen aber leben wir mit den Vorzügen einer freiheitlichen Gesellschaft mitten im Herzen Europas. Wir spüren am „Tag der deutschen Einheit“ besonders dankbar, welche Möglichkeiten sich damit verbinden. Auch wenn sich daraus eine große Verantwortung für die Zukunft ergibt, machen wir uns für einen Moment klar, wie privilegiert wir sind.

Mit diesen Erfahrungen im Rücken gewinnen wir dann neue Kraft und Zuversicht für die aktuellen Herausforderungen. Die Corona-Pandemie verunsichert viele von uns. Nicht nur das Leben, sondern auch die Gemeinschaft ist bedroht. Für einen Moment ist die Klimaveränderung in den Hintergrund getreten. Ihre weltweiten Folgen werden dennoch immer deutlicher. Vielfältige Krisen treiben Menschen in die Flucht und auf die Straßen, die Welt ist unruhig. Gottvertrauen und Geistesgegenwart werden uns in diesen Zeiten der Unsicherheit und umfänglicher Veränderungen helfen, zu bestehen. Dabei kann uns ermutigen, was in die Präambel der Verfassung des Freistaates Sachsen eingegangen ist und dort als handlungsleitend beschrieben wird:

„…der Gerechtigkeit, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung zu dienen.“

Gerechtigkeit wird wachsen, wenn wir für fairen Interessensausgleich sorgen und damit die Basis für ein friedliches Miteinander legen. Dazu gehört das respektvolle und offene Reden über alles, was uns umtreibt. Mehr als je zuvor ist uns bewusst, dass diese Welt fragil ist. Gott hat sie uns anvertraut, mit seiner Hilfe wollen wir sie bewahren und gestalten.

Die Gegenwart des Geistes Gottes wird unter uns verschieden erlebt. In jedem Falle setzt sie Kraft frei, nimmt den Nächsten in den Blick und bringt Menschen zur Besinnung. Lassen Sie uns gemeinsam darauf achten, dass dieser Geist unter uns wirken kann. Damit führen wir fort, was 1989/90 mutig begonnen wurde. Dazu helfe uns Gott!