Im Zentrum des Gottesdienstes steht ein Abschnitt aus dem Buch Ester, der das Gebet der jungen Königin schildert. Ester betet in Todesangst und Not – und wird so zum Vorbild für Menschen, die mit Sorgen, Ängsten und Hoffnungen Gottes Gegenwart suchen. Das Thema lädt dazu ein, sich neu und vielleicht auch ungewohnt auf das Gebet einzulassen. Rituale aus den reichen Traditionen der Ökumene eröffnen dabei vielfältige Zugänge. Zu finden ist das Gebet im Buch Ester 4,17k-t (Einheitsübersetzung) bzw. in „Stücke zu Ester“ C,12-30 (Lutherbibel).
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Reverend Christopher Easthill, ermutigt dazu, das Motto des Gottesdienstes auch aus ökumenischer Perspektive aufzugreifen: „Der diesjährige Text zum Bibelsonntag aus dem Buch Ester ist im gewissen Sinne eine ökumenische Herausforderung. In den meisten protestantischen Bibeln gibt es nämlich das apokryphe Gebet der Ester nicht! Sind wir dennoch bereit, uns darauf einzulassen? Ich hoffe ja! Wir können nämlich von diesem für viele unbekannten Text viel lernen und die Themen Vertrauen, Angst und Hoffnung sind angesichts existenzieller Bedrohung sehr aktuell!“
„Es freut mich sehr, dass wir uns dieses Jahr mit einem Text aus dem Alten Testament beschäftigen, der vermutlich nicht so bekannt ist“, betont Pastor Dr. Jochen Wagner, freikirchlicher Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), der die Vorbereitungen verantwortet. „Dies stärkt das Bewusstsein für unsere jüdischen Wurzeln.“ Der Bibelsonntag wurde wie in jedem Jahr von einem multilateralen Team der ACK vorbereitet.
Das „Gebet der Ester“ entstammt der griechischen Fassung des Ester-Buchs und gehört zu den deuterokanonischen Schriften (in der Lutherbibel als „Apokryphen“ bezeichnet). In den Leseordnung der Kirchen kommt der Abschnitt nicht vor. Das ist einer der Gründe, warum er für den Bibelsonntag ausgesucht wurde.
Seit über 40 Jahren begehen katholische, evangelische, orthodoxe und freikirchliche Gemeinden in Deutschland jeweils am letzten Sonntag im Januar den ökumenischen Bibelsonntag. Der Bibelsonntag stellt die Bibel als das alle Christinnen und Christen verbindende Buch ins Zentrum und wird häufig als Abschluss oder Eröffnung der ökumenischen Bibelwoche gefeiert. Er ist ein besonderer Tag des Dankes für die „Schatzkammer der Bibel“, die allen Christinnen und Christen geschenkt ist und die Kirchen aller Konfessionen miteinander verbindet.
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hat in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bibelwerk e. V. und der Deutschen Bibelgesellschaft Hilfen zur Gestaltung von Gottesdiensten entwickelt. Der ökumenischer Gottesdienstvorschlag enthält neben Fürbitten, Einführungen, Gebeten, Liedvorschlägen und kreativen Gestaltungsideen auch Predigtimpulse zu Ester 4,17k-z (Einheitsübersetzung) bzw. Stücke zu Ester C,12-30 (Lutherbibel und Gute Nachricht Bibel).
Weitere Informationen unter: www.bibelsonntag.de.
