Dankbar und glücklich zeigte sich der Schirmherr des Ökumenepreises der ACK, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen und bayrischer Landesbischof i.R., über die Fülle gelebten ökumenischen Engagements vor Ort: „So viele ökumenische Projekte und Initiativen haben sich in diesem Jahr auf den Ökumenepreis der ACK beworben – das ist einfach großartig! Von der kleinen ökumenischen Graswurzelbewegung vor Ort bis zum weltweit verbindenden Ökumenenetzwerk haben Menschen ihren vielfältigen Einsatz in der gelebten Ökumene sichtbar gemacht. Darüber bin ich sehr glücklich und dankbar, denn aus all diesen Projekten erwachsen kraftvolle Impulse für die Zukunft der einen Kirche Jesu Christi. Nur wenn wir unsere eigenen Trennungen überwinden, werden wir als Kirche glaubwürdige Zeugen der Liebe Jesu Christi sein, die die Welt bewegt, versöhnt und eint.“ Anlässlich der Bekanntgabe der Preisträgerprojekte gratulierte er den einzelnen Aktiven vor Ort und rief zu weiterem ökumenischen Engagement auf: „Die Jury hatte die Aufgabe aus all diesen Projekten vier Preisträgerprojekte auszuwählen – das war nicht leicht. Von ganzem Herzen gratuliere ich den Ökumenepreisträgern 2025 und rufe dazu auf, sich von all diesen Initiativen zu eigenem Engagement ermutigen zu lassen und davon zu erzählen.“
Hauptpreis für „Kossiner Nachmittage“ und „Silvester in Kossin“ in Brandenburg
Mit dem Projekt „Kossiner Nachmittage“ und „Silvester in Kossin“ stammt der Preisträger des Hauptpreises aus einem kleinen, brandenburgischen Dorf mit nur 34 Einwohnerinnen und Einwohnern im Niederen Fläming. Zu verschiedenen Anlässen versammeln sich doppelt bis dreimal so viele Personen aus der gesamten Umgebung auch ohne Kirchenbindung in und um das Kossiner Kirchgebäude zum Dialog, respektvollen Miteinander und gemeinsamen Austausch mit Kerzen und Live-Musik. Besonders beeindruckte die Jury, wie aus kleinen Anfängen in einem strukturell schwachen, durch demografische Herausforderungen, Diaspora und gesellschaftliche Vereinzelung geprägten Kontext durch einzelne Familien und nur wenige Aktive ein verbindender Ort des Glaubens, des Dialoges und der Hoffnung entstehen kann.
„Niemals im Leben hätten wir als Team mit dieser Resonanz gerechnet und sind völlig aus dem Häuschen vor Freude,“ beschreibt Christina Kampf, Gemeindediakonin und Kirchmeisterin zur Elternzeitvertretung für die Evangelische Gesamtkirchengemeinde im Niederen Fläming, die erste Reaktion auf die Preisbekanntgabe. „Gerade vor zwei Wochen haben wir wieder einen Kossiner Nachmittag gefeiert, bei dem die Idee für ein neues Projekt in unserer sehr ursprünglichen Kirche, die eine Sanierung bräuchte, entstand. Es verändert sich also weiter – mit dem, wozu wir gemeinsam inspiriert werden“, schaut die Prädikantin, Seelsorgerin und Gemeindediakonin zuversichtlich in die Zukunft. „Gottes Wege sind überraschend und wunderbar.“
Sonderpreis für ökumenische Gottesdienste an christliches Netzwerk ALL FOR ONE e.V. in Fulda
Mit dem Sonderpreis für Ökumenische Gottesdienstgestaltung wird ein generationsübergreifender Gebetsgottesdienst des christlichen Netzwerks ALL FOR ONE e.V. aus Fulda ausgezeichnet. Auf inspirierende und sensible Art verbindet der Gottesdienst „FOR GOD’s GLORY“ verschiedene Gebetstraditionen der multilateralen Ökumene miteinander und ermöglicht, gemeinsam und individuell wähl- und erlebbar Gottesdienst zu feiern. „Diese besondere Würdigung bedeutet uns weit mehr als das Preisgeld – sie ist ein starkes Zeichen der Anerkennung für unser gemeinsames Engagement, das nun sogar über unsere Region hinausstrahlt,“ ist Claudia Schortemeier vom christlichen Netzwerk ALL FOR ONE e.V. dankbar für den Sonderpreis. Michael Kochanski vom Vorstand des Vereins ALL FOR ONE e.V. ergänzt: „Unsere Hoffnung ist, dass dieser Impuls auch andere Christinnen und Christen sowie Gemeinden ermutigt, sich auf den Weg zu machen, das Verbindende zu entdecken und ganz eigene Formen gelebter Einheit zu entwickeln. Denn: Zusammenarbeit über Konfessionsgrenzen hinweg ist ein Schatz! Wir erleben sie in unserem Netzwerk als eine echte Bereicherung – geistlich wie menschlich.“
Sonderpreis für ökumenische und interdisziplinäre Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung geht nach Soest
Den Sonderpreis für ökumenische und interdisziplinäre Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung erhalten der ökumenische Arbeitskreis Kirche und Klima (AK KUK) und das Netzwerk Christians and Churches for Future im Raum Soest (CC4F Soest) für ihr Projekt der Soester Schöpfungszeit. In der mehrwöchigen Soester Schöpfungszeit sieht die Ökumenepreisjury ein herausragendes Beispiel innovativer, ökumenischer und interdisziplinärer Bildungs- und Beteiligungsarbeit. Die Jury würdigt insbesondere die vielfältige thematische Gestaltung und die professionelle Umsetzung des Projekts. Zu jährlich wechselnden, aktuellen Leitthemen wie Klimagerechtigkeit, Frieden, sozialer Verantwortung und spiritueller Hoffnung gelingt es dem Team, politische und religiöse Perspektiven eng miteinander zu verzahnen. Hierbei spricht das Programm mit inzwischen über 30 Veranstaltungen unterschiedliche Milieus, Altersgruppen und Weltanschauungen an.
Dr. Franz-Josef Klausdeinken vom Organisationsteam äußert in einer ersten Reaktion seine Freude und Dankbarkeit über den Preis: „Als Initiator:innen der Schöpfungszeit in Soest ist diese Auszeichnung für uns eine starke Ermutigung.“ Er sieht in dem Sonderpreis eine Würdigung des gemeinsamen Engagements vieler Menschen, Gruppen und Institutionen in der Stadtgesellschaft, die mit Leidenschaft, Ideenreichtum und Beharrlichkeit das Format Jahr für Jahr mit Leben füllen. Bestärkt von dem Ökumenepreis fühlt der Soester sich motiviert weiterzumachen: „In einer Zeit multipler Krisen glauben wir fest daran: Kirche hat Relevanz, wenn sie sich einbringt – sichtbar, hörbar, verlässlich. Die Kirche von morgen ist eine Initiativkirche. Sie wartet nicht, sie handelt.“
Jurypreis für interreligiöses Projekt christlicher Flüchtlingsarbeit in Chemnitz
Mit dem Jurypreis wählte die konfessionell vielfältig besetzte, achtköpfige Jury aus allen Einsendungen ein besonders herausragendes Projekt des Vereins „Brückenbauer Chemnitz e.V.“ aus. Diese, seit zwölf Jahren aktive ökumenische Flüchtlingshilfe startete 2023 nach dem Hamas-Attentat auf Initiative des syrischen römisch-katholischen Christen Adib Jaafari den Aufbau einer Gruppe, die er nach dem Ziel der Bestrebungen "Harmonie der Menschlichkeit" nannte. Das Projekt wird gemeinsam von der jüdischen Gemeinde, Musliminnen und Muslime verschiedener Moscheen und evangelischen, katholischen, orthodoxen und freikirchlichen Gemeinden gestaltet. Der besondere Beitrag besteht hierbei in der Brücke zwischen den Religionen angesichts der politischen Spannungen im Nahen Osten, welche sich auch auf Deutschland auswirken. Die Jury würdigt dieses Projekt als beispielhaften Ausdruck interreligiöser Verantwortung. Als Initiator zeigte sich Adib Jaafari dankbar über die Auszeichnung: „Die bundesweite Anerkennung durch den Ökumenepreis stärkt uns in Chemnitz. Der gemeinsame Kontakt in die arabische Community ist der beste Weg für ein friedliches Zusammenleben. Wenn wir miteinander reden, vermeiden wir, dass wir gegeneinanderstehen. Der Heilige Geist gibt uns Ideen, dabei zur richtigen Zeit sein Werkzeug zu sein."
Sonderförderung für ökumenisches Kinderchorprojekt aus Frankfurt am Main
Erstmalig in der Geschichte des Ökumenepreises der ACK erhält ein Projekt im Rahmen der Juryauswertung zwar keinen Preis, aber doch eine zusätzliche Spontanförderung durch ein Gastjurymitglied. Der Kinderchor der Ev.-Luth. Erlösergemeinde in Frankfurt-Oberrad bekommt für ein ökumenisches Musiktheaterprojekt für Kinder eine Projektförderung in Höhe von 300,- Euro von der Freikirchen.Bank eG. „Grundlage dieser Entscheidung ist die Überzeugung, dass interreligiöse und religionspädagogische Arbeit bereits im Kindesalter ansetzen muss – und hier mit besonderer Nachhaltigkeit wirken kann,“ begründet der Vorsitzende der ACK in Deutschland und langjähriges Jurymitglied, Reverend Christopher Easthill, diese Entscheidung und führt aus: „Die Jury würdigt das Projekt für seinen klaren ökumenischen, interreligiösen und inklusiven Charakter, seine konkrete Umsetzung der Charta Oecumenica und das theologisch fundierte Konzept, das biblische Inhalte mit aktuellen gesellschaftlichen Themen kindgerecht verbindet.“ Damit schaffe das Chorprojekt niedrigschwellige, kreative Räume, in denen Kinder unabhängig von Religion, Herkunft oder Weltanschauung gemeinsam gestalten, lernen und wachsen könne. „Hier wird Zukunft gestaltet – mit Musik, mit Glauben, mit Offenheit,“ ist sich der Vorsitzende der ACK sicher.
Sämtliche Preisgelder des Ökumenepreises der ACK 2025 wurden bereitgestellt durch die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und Dank der freundlichen Unterstützung durch die Geldinstitute OikoCredit, die Bank für Kirche und Diakonie, die Bank für Kirche und Caritas eG und die Freikirchen.Bank eG.
