Den Hauptvortrag bei der Jubiläumsveranstaltung, der sich mit dem Ablauf, den Inhalten und den Auswirkungen der Unionskonferenzen befasste, hielt Professor Dr. Thomas Albert Howard, Kirchenhistoriker an der Valparaiso University in den USA (Indiana). Er hob dabei die einzigartige Bedeutung des Theologen Döllinger für das Zustandekommen dieser Konferenzen und die Konferenzen selbst, die er als anhaltende Quellen der Inspiration bezeichnete, hervor. Er wies allerdings auch auf die Kontroversen hin, die sich an der Diskussion um das Filioque im Glaubensbekenntnis und die Frage der Anerkennung der anglikanischen Weihen entzündeten. Beim Filioque geht es um die Einfügung der Worte "und dem Sohn" im Glaubensbekenntnis an der Stelle, wo vom Ausgang des Heiligen Geistes die rede ist.
Für Professor Franz Xaver Bischof, der mit seinem Beitrag auf Howard reagierte, zählen die Bonner Unionskonferenzen „zu den Geburtsstunden der modernen ökumenischen Bewegung“. Erstmals seit Jahrhunderten hätten sich östliche und westliche Theologen gemeinsam an einen Tisch gesetzt, um in ökumenischer Offenheit Fragen der Wiedervereinigung der zerklüfteten Christenheit zu erörtern.
Ein sich am Abend an die Verleihung des Pascal-Preises [Link zur eigenen Meldung] anschließendes Podiumsgespräch beschäftigte sich mit dem Spannungsfeld zwischen Kirche, Theologie und der sich immer mehr säkularisierenden Gesellschaft.
Der zweite Tag der Konferenz begann mit einem eindrücklichen Vortrag der anglikanischen Kirchengeschichtlerin Prof. Dr. Charlotte Methuen (University of Glasgow), welche einen spannenden Einblick in die geschichtliche Entwicklung des Anglikanismus gab. Besonders die Spannung zwischen hochkirchlichen und evangelikal-puritanischen Strömungen innerhalb der anglikanischen Kirche mache deutlich, welche Energie schon das Aufrechterhalten einer Gemeinschaft innerhalb einer Konfession binde.
In einem letzten Vortrag sensibilisierte die Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alt-Katholischen Lehrstuhl der Universität Bonn, Dr. Ruth Nientiedt, für die Frage des notwendigen Dialogs mit dem Judentum. Es sei notwendig, besonders sensibel auf abwertende oder antisemitische Sprechweisen in Geschichte und Gegenwart des Altkatholizismus zu reagieren und die bleibende Erwählung Israels immer wieder zu unterstreichen.
Abgeschlossen wurde die Tagung mit einem Gottesdienst in der alt-katholischen Kathedrale Namen-Jesu-Kirche. Bischof Dr. Matthias Ring leitete, begleitet vom Utrechter Erzbischof Bernd Wallet, die Liturgie. Die Predigt hielt der anglikanische Reverend Christopher Easthill (Wiesbaden), der gleichzeitig Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ist.
In seiner Predigt merkte Easthill an, dass Ignaz von Döllinger, der Initiator der Bonner Unionskonferenzen, mit den bislang innerhalb der vergangenen 150 Jahre erreichten ökumenischen Fortschritten sicherlich nicht zufrieden wäre. Unter Verweis auf den Predigttext aus dem Epheserbrief: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!“ (Eph. 4,2-3), machte Easthill deutlich, dass die Demut der Anerkennung der eigenen Fehlbarkeit sowie die Friedfertigkeit im Umgang miteinander und die Geduld auf dem Weg miteinander wesentliche Voraussetzungen für die Ökumene der Kirchen seien. Und nur an unserer Liebe zueinander könne man uns als Nachfolgende Christi erkennen – und zwar vollkommen unabhängig von der Konfession.
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