Am Dienstagabend unterzeichneten 18 kirchenleitende Vertreterinnen und Vertreter die revidierte Charta Oecumenica in der französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin. Damit setzten sie ein wichtiges Zeichen für die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit der Kirchen in Europa und in Deutschland.
Am Mittwoch schloss sich ein gemeinsamer Studientag der Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland mit den Mitgliedern der Konferenz der regionalen ACK-Geschäftsführenden an. Unter dem Thema „Revidierte Charta Oecumenica – Impulse und Rezeption“ berieten die Teilnehmenden, welche Impulse von der überarbeiteten Charta Oecumenica für die ökumenische Arbeit ausgehen, wie sie vor Ort aufgenommen und umgesetzt werden können und diskutierten kritische Anfragen.
Ökumenische Verantwortung in einer veränderten Welt
Einen weiteren Höhepunkt der Mitgliederversammlung bildete der Vortrag von Landesbischof i.R. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). In seinem Beitrag richtete er den Blick auf die Bedeutung der weltweiten Ökumene und die Verantwortung der Kirchen angesichts der gesellschaftlichen, politischen und klimatischen Herausforderungen.
Im Zentrum des Austauschs stand dabei die Frage, welchen Beitrag die Kirchen in einer von Krisen, Konflikten und tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen geprägten Welt leisten können und welche Bedeutung die weltweite Gemeinschaft der Kirchen für das gemeinsame christliche Zeugnis hat.
Kirche im weltweiten und interkonfessionellen Horizont hat Zukunft
Bedford-Strohm führte abschließend den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen zusammen mit dem Wesen der Kirche: „Es gibt wohl keine Institution, in der die Verwurzelung in lokalen Gemeinschaften bei gleichzeitigem universalem Horizont so zur DNA gehört wie das bei der Kirche der Fall ist. Es ist die konkrete Erfahrung von Leben in Fülle in Beziehungen vor Ort, verbunden mit einem Sinn für universelle Geschwisterlichkeit, die mich glauben lässt, dass die Kirche eine entscheidende Rolle bei der Heilung der Welt spielen kann. Diese Verwurzelung in lokalen Gemeinden in der ganzen Welt und die gleichzeitige Universalität im wahrsten Sinne des Wortes machen die Kirche zu einem idealen Akteur einer globalen Zivilgesellschaft.“ Und mit Blick auf die Ökumene führte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus: „Ich hoffe sehr, dass auch in Zeiten des Sparens deutlich bleibt, dass wir nur Kirche sind, wenn wir unser Kirchesein im weltweiten und inter-konfessionellen ökumenischen Horizont verstehen.“
Die Mitgliederversammlung nahm den Vortrag zum Anlass für einen intensiven Austausch über die internationale ökumenische Zusammenarbeit und die Verantwortung der Kirchen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.
Neuapostolische Kirche ist Vollmitglied der ACK
Ein weiterer wichtiger Schritt für die ökumenische Gemeinschaft in Deutschland war die Feier anlässlich der Vollmitgliedschaft der Neuapostolischen Kirche.
Die Aufnahme wurde am Mittwochabend mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Neuapostolischen Kirche Berlin-Prenzlauer Berg gefeiert. Dieser Gottesdienst kann weiterhin über den YouTube-Kanal der ACK Deutschland abgerufen werden [YouTube]
Blick auf Situation der „hierzulande kleinen Kirchen“
Am Donnerstag stand das Gespräch mit den jeweiligen Beauftragten der sogenannten „hierzulande kleinen Kirchen“ am Sitz der Bundesregierung auf dem Programm. Zu Gast waren Bischof Emmanuel von Christoupolis (Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland), Pfarrer Ulf-Martin Schmidt (Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland), Dr. Johann Matthies (Evangelische Allianz in Deutschland) und Konstantin von Abendroth (Vereinigung Evangelischer Freikirchen).
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Erfahrungen und Anliegen der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die im gesellschaftlichen und politischen Raum häufig mit geringerer öffentlicher Sichtbarkeit wahrgenommen werden. „Schon der Austausch unter uns Beauftragten der HKKs eröffnet eine ökumenische Dimension“, berichtete Bischof Emmanuel von Christoupolis über die Arbeit der Beauftragten am Sitz der Bundesregierung: „Wir informieren einander, lernen einander kennen, und können wichtige Anliegen gemeinsam kommunizieren.“ Zugleich wurde deutlich, welche Bedeutung der persönliche Austausch zwischen den Kirchen und den politischen Verantwortungsträgern hat. „Aus Gesprächen wächst Vertrauen“, resümiert der orthodoxe Geistliche seine Tätigkeit. „Deswegen ist es gut und hilfreich, auch außerhalb Berlins den Kontakt und das Gespräch zu den jeweiligen Bundestagsabgeordneten in den Wahlbezirken zu suchen“, appellierte Bischof Emmanuel in Richtung der rund 60 Delegierten der 25 ACK-Mitgliedskirchen.
Das Gespräch bot Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und die Rolle der Kirchen in einer religiös und weltanschaulich vielfältigen Gesellschaft zu reflektieren. Dabei wurde auch die Bedeutung ökumenischer Zusammenarbeit als Beitrag zur gesellschaftlichen Verständigung sichtbar.
ACK stellt Weichen für die Zukunft
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten befasste sich die Mitgliederversammlung mit den Berichten aus Vorstand, Ökumenischer Centrale und dem Deutschen Ökumenischen Studienausschuss (DÖSTA) sowie mit den aktuellen Entwicklungen in den Arbeitsbereichen und Projekten der ACK.
Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK, zeigte sich am Ende der Sitzung zufrieden: „Wir haben viele wichtige Themen besprochen, alle voran die Bedeutung der Charta Oecumenica für unsere Arbeit, und mit der Aufnahme der Neuapostolischen Kirche haben wir einen weiteren Schritt zur Einheit bei Wahrung der Vielfalt getan.“ Besonders hob der Anglikaner den gemeinsamen Umgang miteinander hervor: „Am meisten beeindruckt hat mich erneut das ‚WIE‘ im Miteinander. Es gelingt, auch kritische Themen mit teilweise tiefen Differenzen offen, konstruktiv und vertrauensvoll zu diskutieren. Über allem steht unser Zusammenhalt als Christinnen und Christen, unser gemeinsames Zeugnis und unser gemeinsamer Einsatz für die Gesellschaft, in der wir leben.“
Die Delegierten der 25 Gast- und Mitgliedskirchen der ACK kommen das nächste Mal zu ihrer 260. Mitgliederversammlung am 3. und 4. März 2027 in Neudietendorf zusammen.




