
In Bekenntnissen manifestiert sich das gemeinsame Glaubensverständnis einer Kirche, wodurch gleichzeitig die Grenzen der Zugehörigkeit verbindlich definiert werden. Dieser Mechanismus findet sich zwar überall im Christentum, doch in unterschiedlich starker Ausprägung. Manche Kirchen definieren sich über schriftlich fixierte Glaubenssätze und den Konsens über die rechte Lehre. Andere wiederum lehnen fixierte Bekenntnistexte ab, da sie die Freiheit des Glaubens einschränken. Somit steht ein Glaubensbekenntnis immer im Konflikt zwischen seiner historischen Entstehung und seinem Anspruch, zeitlos gültig zu sein. Wenn Bekenntnisse eine Gemeinschaft definieren, ist regelmäßig zu klären, ob alte Formulierungen noch zeitgemäß sind oder an die Gegenwart angepasst werden müssen. Auch der Spielraum für individuelle Abweichungen innerhalb der Kirche bleibt ein dauerhaftes Verhandlungsthema. In ökumenischer Hinsicht stellt sich die Frage, ob Bekenntnisse Mauern zur Abgrenzung hochziehen oder als Brücken dienen, die das Verbindende im Christentum betonen. Idealerweise widersprechen sich konfessionelle Klarheit und ökumenische Offenheit dabei nicht.
Als eines der frühesten Zeugnisse von formulierten Bekenntnissen dient das Symbolon (Glaubensbekenntnis), das im Jahr 325 auf dem Ersten Ökumenischen Konzil von Nizäa entstanden ist. Durch die enge Verbindung zu dem Bekenntnistext des Zweiten Ökumenischen Konzils von Konstantinopel ein paar Jahre später (381 n. Chr.) hat es die Form erhalten, die heute noch in vielen Kirchen zur Anwendung kommt. Das Nizäno-Konstantinopolitanum in seiner ökumenischen Version ist elementarer Bestandteil von ökumenischen Gottesdiensten. Aufgrund der nachhaltigen Bedeutung dieses ersten Bekenntnistextes haben die Kirchen weltweit im Jahr 2025 dem 1.700. Jahrestag des Konzils von Nizäa in ökumenischer Gemeinschaft gedacht.

Im Jahr 325 ereignete sich in Nizäa, der heutigen Türkei, Entscheidendes: Bischöfe aus der ganzen damals christianisierten Welt (der ganzen bewohnten Erde, also der Oikoumene) trafen sich auf Einladung von Kaiser Konstantin, um miteinander die Grundlagen des noch jungen christlichen Glaubens zu beraten und zu beschließen. Noch heute bilden die Beschlüsse dieses Konzils die Ankerpunkte christlicher Theologie – und zwar über die Konfessionsgrenzen hinweg. Das Konzil von Nizäa war in seiner Breite der Teilnehmenden und in seiner Bedeutung für die Gesamtkirche bis zu diesem Zeitpunkt einmalig. Durch diese Zusammenkunft ist ein kirchliches Entscheidungsorgan entstanden, das beanspruchte, Gesetze und Regeln für die damals bekannte „oikoumene“, also die ganz bekannte Erde, aufzustellen. Neben dem Glaubensbekenntnis, das die erste dogmatische Definition der Kirche darstellte, beschäftigte sich das Konzil mit einer Fragestellung, die heute noch ökumenische Brisanz besitzt: die Festlegung eines gemeinsamen Ostertermins. Für Kaiser Konstantin war es ein wichtiges Ziel des Konzils, dass alle Christen am gleichen Tag die Auferstehung Jesu feiern. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungen des Osterfesttermins zwischen Rom und Alexandrien musste also eine Lösung her. Das Konzil entschied, Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond zu feiern, wobei es aber nicht mit dem jüdischen Pessach-Fest zusammenfallen sollte. Diese Regelung hatte jahrhundertelang Bestand, bis aufgrund der Kalenderreformen im Osten und im Westen bis zum heutigen Tag unterschiedliche Osterdaten bestehen.
Die Ikone ist eigens für das Jubiläumsjahr 2025 geschrieben worden. Sie darf frei im Zusammenhang mit dem Konzilsjubiläum verwendet werden. Copyright-Angabe: Nizäa-Ikone 2025, zeitgenössisch gemalt von Anastasios Voutsinas und Eleni Voutsina, Thessaloniki 2024
© Griechisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin
Predigt im Rahmen der feierlichen Liturgie in Trier (Erzpriester Radu Constantin Miron)
Lesezeichen mit dem Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel in der ökumenischen Fassung
Weiteres: s.u. Literaturhinweise
UNA SANCTA 79 “Was Nizäa auch bedeutet”, darin:
Ökumenische Rundschau 1/2025 “Nicäa 325 in der heutigen Ökumene”, darin:
Kappes, Michael: Jesus - Gottes und des Menschen Sohn. Nicäa 325-2025. Eine ökumenische Handreichung für die Praxis, Paderborn, erscheint am 27.03.2025.
Koch, Kardinal Kurt: Auf dem Weg zu einer ökumenischen Feier des 1700. Jahrestags des Konzils von Nicaea (325-2025), in: Catholica 76/3 (3/2022), 158-173
Staats, Reinhart: Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen, Darmstadt 1996.
Wasmuth, Jennifer, “Wyr gleuben all an eynen Gott”. Das Nicaeno-Constantinopolitanum in seiner Bedeutung für Martin Luther und Philipp Melanchthon, Tübingen 2024.
Will, Rainer, “Ekklesiologische Implikationen der Taufe ‘in Christus Jesus’ aus der Perspektive ‘täglicher Taufe’ im ‘täglichen Vaterunser’ mit einem Seitenblick auf das Glaubensbekenntnis" von Nizäa 325", in: Cath(M)78 (2024) 143-158