Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland - News Article
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Unterzeichnung der Charta Oecumenica: Kirchen setzen gemeinsames Zeichen für Ökumene

|   2026

Berlin/Frankfurt am Main (15.09.2026). - Die Kirchen in Deutschland haben heute am Internationalen Tag der Demokratie in Berlin ein neues Kapitel ihrer ökumenischen Zusammenarbeit aufgeschlagen. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt unterzeichneten 18 kirchenleitende Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) die revidierte Charta Oecumenica. Damit beginnt die breite Rezeption der europäischen Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen in Deutschland.

Kirchen setzen gemeinsames Zeichen für Ökumene

18 kirchenleitende Vertreterinnen und Vertreter unterzeichnen revidierte Charta Oecumenica in der französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin – Startschuss für die Umsetzung in Deutschland

 

 

Die Unterzeichnung knüpft an eine mehr als zwanzigjährige Geschichte an: Bereits 2003 hatten 16 Mitgliedskirchen der ACK die Charta Oecumenica beim Ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnet. Die nun revidierte Fassung wurde auf der europäischen Ebene im vergangenen November in Rom unterzeichnet. Sie nimmt neue Herausforderungen in Europa in den Blick und setzt zusätzliche Schwerpunkte unter anderem bei Frieden, Migration, neuen Technologien und der Rolle junger Menschen. Im Zentrum stehen weiterhin die Selbstverpflichtungen der Kirchen.

Fahrplan für gemeinsames Handeln – „Jetzt geht es darum, Charta mit Leben zu füllen“

Für Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, ist die heutige Unterzeichnung deshalb ein neuer Anfang. „Wir schauen inzwischen auf beinahe ein Jahr intensiver Erfahrung und Arbeit mit der revidierten Charta Oecumenica zurück. Dabei hat sich für mich bestätigt, dass die Charta Vision und Handlungsempfehlung zugleich ist. Ihre Selbstverpflichtungen geben uns eine wichtige Orientierung für unser gemeinsames Zeugnis und Handeln“, sagt Easthill. „Die neue Charta Oecumenica ist kein abstraktes Dokument, sondern ein ganz konkreter Fahrplan für gemeinsames Handeln und Zeugnis und ein Versprechen für unsere Zukunft"

„Mit der heutigen Unterzeichnung beginnt nun die nächste entscheidende Phase: die breite Rezeption in Deutschland“, so Easthill weiter. „Jetzt geht es darum, die Selbstverpflichtungen in unseren Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Arbeitsgemeinschaften auf allen Ebenen mit Leben zu füllen. Nehmen Sie diesen Text in die Hand, lesen Sie darin wie in einer Landkarte der Hoffnung und – vor allem – kommen Sie darüber ins Gespräch. Denn Ökumene beginnt bei jeder und jedem von uns.“

Bedford-Strohm: Trennung der Kirchen darf nicht „Normalfall“ sein

Landesbischof i.R. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, richtete in seiner Predigt einen eindringlichen Appell an die Kirchen. Die „noch immer existierende Trennung der Kirchen“ dürfe nicht als Normalfall angesehen werden, sondern sei „ein Scheitern an dem Auftrag Jesu“. Bedford-Strohm stellte zugleich die Frage: „Sind unsere konfessionellen Traditionen [...] selbst zur Hauptsache geworden?“

Mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hob Bedford-Strohm zudem die klare Haltung der revidierten Charta Oecumenica gegen eine politische Instrumentalisierung des Christentums hervor: „Es ist ein starkes Zeichen, wenn die Kirchen Europas in großer Einmütigkeit den Missbrauch des Christentums für Zwecke, die ihm zutiefst entgegenstehen, verurteilen. Die Charta verpflichtet die Kirchen dazu, ‚allen Versuchen zu widerstehen, Religion und Kirche für ethnische, nationalistische, politische oder populistische Zwecke zu missbrauchen.‘“ In diesem Sinne ist es sehr passend, dass die Unterzeichnung der revidierten Charta Oecumenica am Internationalen Tag der Demokratie begangen wird.

Von Berlin als „signature move christlicher Existenz“ in die Regionen

Dass die Charta Oecumenica nicht nur ein Dokument auf europäischer und nationaler Ebene bleiben soll, wurde unmittelbar im Gottesdienst sichtbar. Verantwortliche aus den 14 regionalen ACKs in Deutschland empfingen den Text der Charta Oecumenica in Form großer Fahnen. Symbolisch nahmen sie damit die Charta Oecumenica für ihre Regionen entgegen. In kurzen Statements berichteten sie, welche konkreten Schritte zur Umsetzung der Selbstverpflichtungen vor Ort geplant sind.

Beim anschließenden Empfang im Haus der EKD kamen die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen miteinander ins Gespräch und wurden vom Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Dr. Christian Stäblein, in Berlin als „Metropole der Ökumene“ begrüßt. Bischof Stäblein beschrieb die überarbeitete Charta Oecumenica als „sig-nature move christlicher Existenz in dieser Welt“ und erläuterte dies mit einer biblischen Rück-bindung: „Von Anfang an fragt die Charta ja, woran man nun diesen Weg der Einheit erkennen wird – und die Antwort wird in Jesu Wort selbst gefunden: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid; wenn ihr einander liebt.“

Theologischer Studientag mit Akteuren der regionalen und kirchlichen Ökumene

Am morgigen Mittwoch, 16. September, wird die Arbeit fortgesetzt. Die Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland und die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der regionalen ACKs kommen zu einem Studientag zusammen. Unter anderem wird die Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung der revidierten Charta Oecumenica, Lea Schlenker, Einblicke in den Revisionsprozess und die Anliegen der neuen Fassung geben. In einem anschließenden Podiumsgespräch werden auch kritische Anfragen an den Text zum Thema gemacht. 

Predigt