Der Ökumenepreis 2025 stand im Zeichen zweier besonderer historischer Jubiläen:
des 1700. Jahrestages des Konzils von Nizäa sowie des 500-jährigen Jubiläums der Täuferbewegung. Diese Anlässe boten einen inspirierenden Rahmen für viele innovative ökumenische Projekte. Zugleich waren ausdrücklich auch Initiativen willkommen, die sich anderen aktuellen Themen der Ökumene widmen.

Im kleinsten Dorf der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde im Niederen Fläming werden gemeinsam mit Christinnen der Neuapostolischen Gemeinde in Schönwalde, Ukrainischen Flüchtlingen und altlutherischer Christen, so wie nichtkirchlichsozialisierten Personen aus dem Einzugsbereich 3-4 mal im Jahr Begegnungsorte für die 34-köpfige Gesamtbevölkerung geschaffen. Zur musikalischen Silvesterandacht im Jahr 2022 mit Kerzengebet und anschließendem Lagerfreuer samt Heißgetränken kamen doppelt soviele Menschen aus dem Umland als Gäste dazu.
Das Projekt aus Kossin in Brandenburg hat die Jury in besonderer Weise überzeugt. In einem kleinen Dorf mit nur 34 Einwohnerinnen und Einwohnern, gelegen in einer strukturell schwachen Region, wird auf bemerkenswerte Weise lebendige Gemeinschaft und interkonfessioneller Zusammenhalt gestaltet. Gerade in einem Kontext, der durch Diaspora, demografische Herausforderungen und gesellschaftliche Vereinzelung geprägt ist, entsteht hier ein Leuchtturmprojekt: Menschen verschiedenster religiöser Hintergründe – evangelisch, neuapostolisch, altlutherisch sowie konfessionsfrei – gestalten gemeinsam Gottesdienste, Andachten und Begegnungen. Dabei werden Geflüchtete aus der Ukraine ebenso eingebunden wie Menschen aus der Region, unabhängig von ihrer kirchlichen Anbindung. Die Initiative lebt von persönlichem Engagement, Kreativität und einem tief verwurzelten Geist der Gastfreundschaft. Es ist ein klassisches Graswurzelprojekt, das zeigt, wie aus kleinsten Anfängen – mit einzelnen Familien und wenigen Aktiven – ein verbindender Ort des Glaubens, des Dialogs und der Hoffnung entstehen kann.
An dem Lobpreis- und Gebetsabend FOR GOD's GLORY können die Teilnehmer unterschiedliche Gebetstraditionen kennenlernen und sich neue Zugänge des Gebetes und der Anbetung erschließen. Das Verständnis füreinander und für andere Gebets- bzw. Gottesdienstformen wächst. Bei der Gestaltung wirken Mitarbeitende aus den verschiedenen Kirchen mit, um so eine möglichst vielfältiges Angebot zu schaffen.
Es handelt sich um einen generationenübergreifenden, kreativ gestalteten Gebetsgottesdienst, der in wechselnden Kirchen eines übergemeindlichen Netzwerks stattfindet und dabei neue Wege der geistlichen Begegnung eröffnet. Die Gottesdienste verbinden modernen Lobpreis, Impulse von wechselnden Personen und eine breite Auswahl an Gebetsformen, die von liturgischer Tiefe bis zu freien Ausdrucksformen reichen. In den sogenannten „Gebetsräumen“ können Teilnehmende aus verschiedenen Formaten wählen – darunter stille Meditation, kreatives Gebet, liturgisches Stundengebet mit orthodoxen Elementen, Sprachengebet mit Auslegung oder persönliche Segnungsgebete. Diese vielfältige spirituelle Landschaft ermöglicht individuelle Zugänge und stärkt gleichzeitig das gemeinsame Erleben. Die bewusste Anbindung an die Allianzgebetswoche und der sensible Umgang mit gewachsenen Strukturen zeigen ein hohes Maß an ökumenischem Bewusstsein und Verantwortungsgefühl. Mit seiner klaren Ausrichtung auf interkonfessionelle Zusammenarbeit, seiner kreativen Umsetzung und der starken Beteiligung von jungen wie älteren Menschen ist FOR GOD’s GLORY ein herausragendes Beispiel für innovative und ökumenische Gottesdienstpraxis.
Seit 2021 gestalten die CC4F Soest und der AK KuK Soest während der Schöpfungszeit ein mehrwöchiges Angebot im Bereich religiöse Bildung für Nachhaltige Entwicklung (rBNE).
Die Schöpfungszeit in Soest beeindruckt als ein herausragendes Beispiel innovativer, ökumenischer und interdisziplinärer Bildungs- und Beteiligungsarbeit. Das mehrwöchige Veranstaltungsformat verbindet religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung (rBNE) mit einem klaren gesellschaftlichen und spirituellen Anliegen. Die Jury würdigt insbesondere die vielfältige thematische Gestaltung und die professionelle Umsetzung des Projekts. Unter jährlich wechselnden, aktuellen Leitthemen wie Klimagerechtigkeit, Frieden, sozialer Verantwortung und spiritueller Hoffnung gelingt es dem Team, politische und religiöse Perspektiven eng miteinander zu verzahnen. Das Programm mit über 30 Veranstaltungen spricht unterschiedliche Milieus, Altersgruppen und Weltanschauungen an und schafft Räume für Reflexion, Dialog und konkrete Handlungsoptionen. Das Projekt lebt von Partizipation und sozialraumorientierter Vernetzung. Über 20 lokale Akteure bringen ihre Expertise und Energie ein – von Kirchen über Schulen bis hin zu Kultureinrichtungen und Nachhaltigkeitsinitiativen. Besonders hervorzuheben ist der generationenübergreifende Ansatz mit niedrigschwelligen Mitmach- und Begegnungsformaten, der auch kirchenferne Zielgruppen anspricht. Die Jury würdigt ein Projekt, das nicht nur Impulse zur Umkehr und Hoffnung setzt, sondern auch strukturell verankert ist und eine wachsende, nachhaltige Strahlkraft entfaltet.
Die Brückenbauer Chemnitz e.V. - eine seit zwölf Jahren aktive ökumenische Flüchtlingshilfe startete 2023 nach dem Hamas-Attentat auf Initiative des syrischen römisch-katholischen Christen Adib Jaafari den Aufbau einer Gruppe, die er nach dem Ziel der Bestrebungen "Harmonie der Menschlichkeit" nannte. Das Projekt wird gemeinsam von der jüdischen Gemeinde, Musliminnen und Muslime verschiedener Moscheen und evangelischen, katholischen, orthodoxen und freikirchlichen Gemeinden gestaltet.
In einem gesellschaftlich und politisch herausfordernden Umfeld wie Chemnitz setzt das interreligiöse Projekt „Harmonie der Menschlichkeit“ ein bemerkenswert mutiges und hochrelevantes Zeichen für Dialog, Verständigung und Zusammenhalt. Die Initiative bringt jüdische, christliche und muslimische Akteure miteinander ins Gespräch – und das in einer Zeit, in der der Nahostkonflikt, vielerorts zu einem interreligiösen Stillstand geführt hat. Gerade deshalb ist der Ansatz dieses Projekts, Menschen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Prägung nicht nur in Kontakt zu bringen, sondern gezielt Brücken zu bauen, von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Besonders hervorzuheben ist, dass muslimische Gemeinden aktiv in die Auseinandersetzung mit Antisemitismus einbezogen werden – ein Schritt, der viel Fingerspitzengefühl, Vertrauen und Mut erfordert. Die Jury würdigt dieses Projekt als beispielhaften Ausdruck interreligiöser Verantwortung. Besonders bemerkenswert ist, dass es in einem von religiöser Diaspora geprägten Umfeld stattfindet. Es ist ein hoffnungsvoller Impuls für Dialog auf Augenhöhe, für Zivilcourage und die gemeinsame Suche nach einem friedlichen Miteinander – trotz oder gerade wegen der Spannungen, die aus globalen Konflikten auch unsere Nachbarschaften erreichen.Das Projekt aus Kossin in Brandenburg hat die Jury in besonderer Weise überzeugt. In einem kleinen Dorf mit nur 34 Einwohnerinnen und Einwohnern, gelegen in einer strukturell schwachen Region, wird auf bemerkenswerte Weise lebendige Gemeinschaft und interkonfessioneller Zusammenhalt gestaltet. Gerade in einem Kontext, der durch Diaspora, demografische Herausforderungen und gesellschaftliche Vereinzelung geprägt ist, entsteht hier ein Leuchtturmprojekt: Menschen verschiedenster religiöser Hintergründe – evangelisch, neuapostolisch, altlutherisch sowie konfessionsfrei – gestalten gemeinsam Gottesdienste, Andachten und Begegnungen. Dabei werden Geflüchtete aus der Ukraine ebenso eingebunden wie Menschen aus der Region, unabhängig von ihrer kirchlichen Anbindung. Die Initiative lebt von persönlichem Engagement, Kreativität und einem tief verwurzelten Geist der Gastfreundschaft. Es ist ein klassisches Graswurzelprojekt, das zeigt, wie aus kleinsten Anfängen – mit einzelnen Familien und wenigen Aktiven – ein verbindender Ort des Glaubens, des Dialogs und der Hoffnung entstehen kann.

„Es ist mir eine Ehre, Schirmherr des Ökumenepreises der ACK sein zu dürfen. Ich wünsche mir viele Bewerbungen, denn diese Bewerbungen werden sichtbar machen, an wie vielen Orten Menschen sich mit tollen Projekten für die Ökumene einsetzen, ohne dass das in die Schlagzeilen kommt. Es ist diese gelebte Ökumene vor Ort, aus der die kraftvollsten Impulse für die Zukunft der Kirche erwachsen. Die Zukunft der Kirche, davon bin ich überzeugt, wird eine ökumenische sein. Nur wenn wir unsere eigenen Trennungen überwinden, werden wir als Kirchen glaubwürdige Zeugen der Liebe Jesu Christi sein, die die Welt bewegt, versöhnt und eint. Wo wir sie leben, sind wir Salz der Erde und Licht der Welt. Genau dazu will der Ökumenepreis ermutigen“.
Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Ökumenischer Rat der Kirchen, Moderator des ÖRK-Zentralausschusses, Landesbischof i. R.
Es ist für mich eine Freude, mich in der Jury des Ökumenepreises der ACK 2025 zu engagieren, weil dieser Preis Personen und Initiativen auszeichnet, die sich für die Einheit der Kirche und den Frieden einsetzen. In einer Zeit, die von Zerrissenheit geprägt ist, ist es eine Aufgabe von Christinnen und Christen, sich für Einheit, Frieden und Versöhnung einzusetzen und so den Auftrag Christi zur Liebe zu erfüllen. Ich freue mich auf Bewerbungen, die sich diesem Auftrag in kreativer und mitreißender Weise stellen!

„Ich freue mich darüber, wieder als Juror an der Vergabe des Ökumenepreises mitwirken zu können. Ich freue mich auch darauf, spannende Ideen zu entdecken, d.h. neue kreative Ansätze, wie die frohe Botschaft der Liebe Gottes in Christus gemeinsam und ökumenisch, und damit auch glaubwürdiger vermittelt werden kann.“

Studentin im Doppelmaster M.Ed. Gym Englisch & Religion und M.A. Ökumene und Religionen
"Ökumene verstehe ich als einen lebendigen Prozess des gemeinsamen Lernens und der kontinuierlichen Wegfindung. Der Ökumenepreis bietet die wertvolle Chance, an den Schnittstellen vielfältiger Perspektiven Begegnungen zu ermöglichen. Gleichzeitig eröffnet er die Möglichkeit, innovative Projekte zu entdecken, die das Potenzial haben, neue Impulse für die Ökumene zu setzen. Es ist mir eine Ehre, Teil dieses Prozesses zu sein, der die Vielfalt christlicher Traditionen im Geist der Offenheit und Kreativität neu aufblühen lässt.“

Ökumene bedeutet für mich, dass ich aus den Schätzen anderer kirchlicher Traditionen reich beschenkt werde. Den Geschwistern anderer Kirchen darf ich Anteil geben an den Schätzen, die meiner Kirche anvertraut sind. So erfahren wir im Miteinander Gottes Segen.

Ökumene bedeutet für mich: Jede Kirche ist ganz Kirche - aber nicht die ganze Kirche. Wir können unser Christ-Sein viel tiefer und reicher leben, wenn wir die Traditionen, Überzeugungen, Gottesdienste und Ideen der anderen kennen und so viel wie möglich gemeinsam tun.

Jessica Bodmann, Geschäftsführerin
Oikocredit ist stolz darauf, den Ökumenepreis 2025 zu unterstützen. Seit 50 Jahren investieren wir weltweit in Menschen, um im Sinne der Ökumene Frieden und soziale Gerechtigkeit zu fördern und die Schöpfung zu bewahren. Was 1975 innovativ und revolutionär begann, findet sich heute in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Es braucht Mut und Miteinander, um innovative Ideen umzusetzen. Ich bin daher sehr gespannt auf die Wettbewerbsbeiträge in diesem Jahr und freue mich auf die Mitarbeit in der Jury.

Elke Müller, Vorstandsvorsitzende
„Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch in Christus.“ (1. Korinther 12,12). In Christus sind wir als unterschiedliche Kirchen verbunden und Christinnen und Christen dürfen Einheit erleben und starke Gemeinschaften bauen.
Aus diesem Grund freuen wir uns über die gelebte Ökumene an vielen Orten in Deutschland, die Gemeinsames sucht, Menschen miteinander verbindet und den Segen Gottes weitergibt.
Es ist mir eine Ehre als Gastjurorin Projekte von Kirchen kennenzulernen, die Gemeinsames suchen und zu einem Erleben von Christus, für die Menschen unserer Zeit, machen.

Dr. Ralf Criens, für das Gewinnerteam des Ökumenepreises der ACK Deutschland 2023 „Pasinger Friedensweg“

Der Ökumenepreis der ACK 2025 wurde durch die freundliche Unterstützung der folgenden Sponsoren ermöglicht: